Vertrauen - Verantwortung - Vernunft: Künstliche Intelligenz und Ethik

09. 11. 2026 - 10. 11. 2026 | siehe weitere Infos

Künstliche Intelligenz (KI) verändert gegenwärtig nicht nur technische Prozesse, sondern greift tief in soziale, kulturelle, politische und sicherheitsrelevante Kontexte ein. Sie operiert mit einer eigenen technischen Rationalität, nutzt häufig anthropomorphisierende Sprachformen und übernimmt zunehmend Aufgaben, die bislang als genuin menschliche Vollzüge galten. Damit stellt KI grundlegende Fragen nach dem Verhältnis von Mensch und Technik, nach den Grenzen technischer Rationalität und nach dem Spezifischen menschlicher Existenz auf neue Weise.

Die Tagung widmet sich diesen Fragen in interdisziplinärer Perspektive. Sie will einer einseitig technizistischen oder rationalistisch verkürzten Deutung von KI entgegenwirken und Raum für eine begrifflich präzise, theologisch, philosophisch und ethisch fundierte Reflexion eröffnen. Im Zentrum steht die Frage, wie Menschsein, Handeln und normative Orientierung angesichts KI-gestützter Entscheidungs- und Handlungssysteme (neu) zu bestimmen sind.

Leitend ist dabei der Dreiklang von Vertrauen, Verantwortung und Vernunft. Vertrauen richtet sich traditionell auf Personen, wird im Kontext der KI jedoch zunehmend auch auf technische Systeme übertragen, deren Funktionsweisen und Entscheidungsprozesse opak bleiben können. Verantwortung stellt sich neu, weil KI bestehende Zuschreibungs- und Entscheidungsstrukturen verändert, ohne menschliche Akteurinnen und Akteure aus ihrer Verantwortung zu entlassen. Vernunft schließlich wird herausgefordert, insofern KI-Systemen Formen technisch-rationaler Problembearbeitung zugeschrieben werden, die in Spannung zur tradierten Idee menschlicher Vernunft treten.

Besondere Dringlichkeit gewinnen diese Fragen im militärischen Kontext und in der Friedensethik. KI-gestützte Systeme in sicherheitsrelevanten, militärischen oder kriegsbezogenen Entscheidungszusammenhängen machen normative Verschiebungen besonders sichtbar. Die Tagung fragt daher auch, welche Konsequenzen sich für die ethische Reflexion von Krieg und Frieden ergeben und wie der Leitgedanke eines gerechten Friedens unter den Bedingungen KI-gestützter Gewaltanwendung weitergedacht werden muss.

Die von den beiden Professuren für Evangelische Theologie an den Universitäten der Bundeswehr und dem AI Ethics Research Hub der HSU (https://www.hsu-hh.de/theevs/ai-ethics) organisierte Tagung versteht sich als Beitrag zu einer verantwortungsvollen, reflektierten und interdisziplinär fundierten Auseinandersetzung mit KI in sicherheits- und friedensethischen Kontexten. Sie lädt dazu ein, theoretische Grundlagenfragen und praxisrelevante Herausforderungen gemeinsam zu diskutieren und normative Orientierung für den Umgang mit KI zu gewinnen.

Folgende Panels sind vorgesehen:

  • Technik und technologische Entwicklung: Dynamiken, Infrastrukturen und Gestaltungsoptionen Künstlicher Intelligenz
  • KI und Menschsein: Mensch-Maschine-Interaktionen
  • Vernunft: Rationalität, Menschsein und Vernunftgebrauch
  • Verantwortung: Subjekte und Objekte der Verantwortungsübernahme
  • Vertrauen: Anthropologische Grundbestimmung und technische Praxis
  • Der Einsatz Künstlicher Intelligenz im Militär und seine normative Reflexion
  • Friedensethik: Der gerechte Friede als Leitbild des Einsatzes Künstlicher Intelligenz

Kontakt

Prof. Dr. Friedrich Lohmann (friedrich.lohmann@unibw.de)
089 6004 3125

Infos & Anmeldung

Über den Veranstaltenden

Veranstalter:
Prof. Dr. Friedrich Lohmann
Ort:
UniBw M (Stauffenberg-Saal)
Kosten:
-
Zielgruppe:
Fachpublikum und Hochschulangehörige
Art der Veranstaltung:
Interne Veranstaltung
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